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UN-Sonderberichterstatter Rodolfo Stavenhagen in Berlin PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 5. April 2007

Bundestag lehnt Ratifizierung der ILO-169-Konvention ab

Auf Einladung des ILO-169-Koordinationskreises, der Missionszentrale der Franziskaner und MISEREOR war der UN-Sonderberichterstatter für die Rechte Indigener Völker, Rodolfo Stavenhagen, in der letzten Märzwochen in Berlin zu Gast. Anlass war die Debatte des Deutschen Bundestages über einem Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, in dem die Bundesregierung zur Ratifizierung der Konvention aufgefordert wird.

Debatte im Bundestag


Rudolfo Stavenhagen und Thilo Hoppe. MdB
Rodolfo Stavenhagen wollte mit seiner Anwesenheit in Berlin deutlich machen, welche Bedeutung er der ILO-Konvention 169 zumisst. Die Konvention der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) ist die einzige völkerrechtliche Vereinbarung, die die Rechte indigener Völker schützt. 18 Staaten, darunter Spanien, die Niederlande und Norwegen sowie fast alle lateinamerikanischen Länder haben die Übereinkunft aus dem Jahr 1989 inzwischen ratifiziert.

Trotz Aufforderungen des Europaparlamentes und des 15. Deutsche Bundestages aus dem Jahr 2002 weigern sich die deutschen Bundesregierungen, die Ratifizierung vorzunehmen. Rodolfo Stavenhagen und der Koordinationskreis ILO 169 bedauern dies. Eine Ratifizierung durch die Bundesregierung wäre ein wichtiges Signal für die Bedeutung der Übereinkunft und ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Etablierung eines umfassenden Menschenrechtsschutzes für indigene Völker.

Podiumsdiskussion und Parlamentarisches Frühstück

Rodolfo Stavenhagen auf der Kuppel des Bundestages
Mit ihrem Antrag Drs. 16/1971 wollte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen einen neuen Anlauf nehmen, die Bundesregierung zu einer Ratifizierung zu bewegen. Die abschließende Debatte über den Antrag am späten Abend des 29. März im Bundestag stieß jedoch leider auf wenig Interesse bei den Abgeordneten: Der Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Thilo Hoppe (Grüne) war der einzige Redner. In der anschließenden Abstimmung wurde der Antrag mit den Stimmen von CDU/CSU, FDP und SPD, die 2002 noch für eine Ratifizierung votierte, abgelehnt. Daran konnte auch die Anwesenheit von Rodolfo Stavenhagen nichts ändern.

Kurz vor der Debatte im Deutschen Bundestag diskutierten Thilo Hoppe,
Rodolfo Stavenhagen und der Vertreter der equadorianischen
Podium im Ibero-Amerikanischen Institut
Indigenen-Gemeinde Jacinto, Flavio Santi, im Ibero-Amerikanischen Institut am Potsdamer Platz vor gut 100 Interessierten Fragen des Schutzes indigener Rechte und Kultur. Dabei wurde deutlich, dass dieser Schutz auch ein Beitrag zum Erhalt der Biodiversität in den verschiedenen Regionen dieser Welt bedeutet, da indigene Völker ein unmittelbares Verhältnis zu ihrer Umwelt haben.

Frühstücksrunde mit Parlamentarien
Am Freitag trafen sich Rodolfo Stavenhagen und Flavio Santi mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages zu einem parlamentarischen Frühstück im Reichstag. Rodolfo Stavenhagen machte im Gespräch deutlich, dass nationale Regierungen bei der Nutzung von Bodenschätzen auf indigenen Territorien nicht allein zu entscheiden, sondern die Interessen der indigenen Völker zu berücksichtigen und die Völker anzuhören hätten.
(Text: 070405_tms / Fotos: D.Ahlers/M.Höchenberger)

Ein Interview mit Rodolfo Stavenhagen ist zu finden unter http://www.npla.de/onda/content.php?id=691 . (bei ca. 5 Minuten).
 
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